Das Gefieder

Wenn um zwölf Uhr in der Nacht die Glocken der Kirche gegenüber eines Schlosses läuten, das Mondlicht in die Weiten der Wälder bricht, Wölfe sich in Rudeln versammeln, die Schwäne sich in tiefgrünen Halmen am Ufer verstecken, der weiße Nebel die Vogelneste der Baumwipfel verschlingt, dann öffnet sich das weise pechschwarze Auge der Flugkünstler der Nachtschwärmer. Eine Narbe ziert eine glatte gerupfte Stelle ihrer Stirn. Einst entstanden durch einen Streifschuss des Jägers Flinte. Ihre mehr als kraftvollen trainierten Adlerkrallen, eines übrig gebliebenen Fußes, halten die Eule in dessen Gleichgewicht. Einst hatte ihr ein Wolf einen ihrer Füße vom Leib gerissen. Kleine hilflose Geschöpfe halten aneinander beängstigt inne, denn ein langer furchteinflößender Schnabelschatten hält die Nachkommen im tiefen Gefieder versteckt. So schmiegt die Eule ihre Flügel schützend um ihre Zukunft. Alsbald auch das wachsamste Auge der Drohne der Lüfte sich durch Müdigkeit den Träumen erliegt; der Morgennebel die weiße Eule in der Baumkrone umschließt. Bis eine zweite in einer anderen Krone die Notwendigkeit erkennt und für Vier das Frischfleisch bringt. So ist der graue Wolf gestorben, sein Kadaver jedoch nicht verdorben. Mit der Zeit ist der Kadaver im Boden versunken alsbald ein jeder Ast eine Eule trägt. Der Jäger nähert sich mit der Flinte der Gefahr. Plötzlich die Baumkrone schüttelnd ein Blatt verliert. Die streifschuss vernarbte Eule den Jäger erkennt und weise den Eulen befiehlt: „Ruht, Ruht, Nur wer Feige ist bedient sich einer Flinte! Haltet euer Auge auf das Wesentliche!“

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