Der Zitronenfalter 3

Menschen bangen um ihre Zukunft. Die Geschicke der Mächtigen hatten im Laufe der Jahrhunderte eher wenig dazu beigetragen in der Evolution weiter voranzuschreiten. Vielmehr beschäftigten sie sich damit, wie machtvolle Positionen durch verdeckte Operationen gehalten werden können. Sie machten keine Fortschritte eher Rückschritte. Manche Intrigen kamen ans Tageslicht andere dagegen verschwanden stillschweigend im Daten-Dschungel der Regierungen. Bei den letzten Wahlen wurde vermutet, dass Hacker Angriffe für den überraschenden Wahlsieg des Präsidenten gesorgt hätten. Das gab es bereits in der Geschichte dachte Richard als er zum Fenster ging, per Fingerabdruck die Innenscheibe des Bürofensters seine Identität erkannte. Die Scheibe verblasste bis ein Milchglaseffekt den Blick in Richards Büro verwehrte. Schwarze Kästen erschienen nacheinander an unterschiedlichen Positionen an der Scheibe. Er schrieb das Kennwort bestehend aus Nummern und Buchstaben mit dem Zeigefinger in die Felder. Z1TR0N3NF4LT3R. Er suchte im Internet herum, fand nicht das wonach er suchte. Er lenkte sich ab, surfte in sozialen Netzwerken, dachte an den Artikel über die zunehmende Bandenkriminalität, die weit außerhalb der Stadt für Unruhe sorgte. Die Geschäftsführung des Hotels hatte mit den Einsparungen der verminderten Mehrwertsteuer den Bürgermeister geschmiert, der fortan die Brücke bauen ließ. So riesig, das unter ihr Containerschiffe nach wie vor ungehindert in den Hafen fahren konnten zugleich erstmalig in der Stadt auf ihr Häuser und Wohnblöcke entstanden. Das damit der Whales Familie kräftig in die Hände gespielt wurde hatte niemand bedacht.

Richard hat einen Spürsinn für organisierte Verbrechen. Er hat ein Talent für Prognosen und ermittelte in seinen Artikeln eigenständig. Er arbeitete ausschließlich allein. Das war der einzige Wunsch, den er seinem Chef gegenüber damals geäußert hatte. Kein Großraumbüro und still müsse es um ihn herum sein, um sich der Suche nach der Wahrheit voll entfalten zu können, wie der Zitronenfalter seine Flügel im Bilderrahmen auf seinem Schreibtisch. Seine Artikel sorgten im Redaktionsteam für Ansehen. Das Lob kam jedoch selten allein mit einer einhergehenden schlechten Laune seines Chefs, der wild gestikulierend im Raum stand, herumbrüllte, dass die Aufrufe nicht reichen würden. So wie die Bienen ausstarben so starb auch die Bildung aus, dachte Richard als er den Online Artikel seines Chefs las. Und dann hatte er fast ein Jahr später an einem Sonntag die Idee, dass es eine Verbindung geben müsste zwischen der Whales Familie, dem Hoteldirektor, der tödlich verunglückten Frau, der Gasexplosion und >>was!<< schrie Richard auf als er selbst vor Gedankenexperimenten ausflippte die analoge Tastatur, deren Produktion weitestgehend eingestellt wurde, auf den Schreibtisch knallte. Er rieb sich das Kinn. „Alles Ok?“, fragte Cariba mit großen Augen ins Büro stürmend. „Nein ich bin gefangen im Nebelschleier der Unkenntnis“ antwortete Richard Gedankenversunken, woraufhin Cariba antwortend: „Denk dran heute ist Sonntag, wir beide haben jetzt Feierabend!“, verschwand und das Bürogebäude verließ. Richard blieb. Verantwortlich für das was er schrieb und wie Menschen über Politik, Gesellschaft und Kultur denken würden, lag schließlich in seinen Händen. Alles was er irgendwann wollte war eine eigene Zeitung, doch dazu brauchte er Leser, die seine Artikel lieben würden. So arbeitete er stets aus Leidenschaft, übte sich darin Sätze zu schmieden. Einen Namen für seine Online-Zeitung stand bereits fest: Richard King. So hatte ihn ein Leser in einem der Kommentare genannt.

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