Otto Warmbier 12.12.1994 – 19.06.2017 – Who are you?

Die Zeitungen, die Online Magazine und die Fernsehkanäle halten nicht mehr still. Der Vorfall bereits schlimm genug prasseln die Schlagzeilen auf mich ein wie der Regen, der grauen behangenen Wolken, die einen im Alltag ohnehin leicht melancholisch werden lassen, doch spanne ich den Regenschirm auf stehe ich im Trockenen und versuche die Tropfen der Wahrheit zu filtern, zu lesen und nachzuvollziehen. Doch spätestens nach dem zehnten Artikel, ob Spiegel Online, die Welt, Die Zeit, Huffington Post oder die aller letzte Zeitung die Bild, dessen Homepage Besuch ich gar aus Angst vor eigener Verdummung erst gar nicht wage und mir deren Schlagzeile bei den Suchergebnissen bereits genügen, komme ich nicht umher zu behaupten, dass die Artikel mir wie voneinander abgeschrieben vorkommen. Sie treiben sich gegenseitig mit den aktuellsten der aktuellsten News an. Um die Aktualität der Nachricht zu unterstreichen bauen Sie diese hübschen kleinen Liveticker ein. Die Information bleibt dennoch die selbe. Die Artikel so liebevoll kurz geschrieben ließen sie sich noch weiter zusammenfassen: „Amerikanischer Student in Nordkorea aufgrund eines nicht einmal eindeutig nachgewiesenen Diebstahls eines Propagandaplakats wird festgenommen und stirbt an den Folgen politischer Strategien während dagegen der Sprecher des Außenministeriums über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA dies stark dementiere, da die Behörden internationale Standards eingehalten hätten.“

What the F***? Herunter gebrochen auf einen Satz sind wir nun alle auf dem selben Wissenstand wie vorher. Übrigens in den Artikeln die ich las hat es kein Autor für nötig gehalten die Abkürzung KCNA kurz zu erläutern oder aus zu schreiben. Ist es Faulheit oder der Gedanke daran, dass der Leser, der es wissen möchte selbst googlen kann? Oder schlicht und ergreifend die Eintagsfliege, die mit einem Wohlstandsbäuchlein zu fein zum Fliegen ist, die in einem Glashochhaus sitzend und seinem cholerischen Chefredakteur gegenüber zu Feige ist die Wahrheit zu sagen, dass er eigentlich keine Lust mehr habe Artikel zu schreiben, da er angewiesen auf das monatliche Gehalt seine Familie ernähren muss und in Wirklichkeit lieber KFZ Mechaniker geworden wäre? Die Magazine tun keinen Teufel daran zu versuchen abzuwarten bis es neue Informationen gibt. Statt sie behutsam zu sammeln, darüber längere Zeit nachzudenken um einen geschliffenen Artikel zu formulieren der es auch Wert ist online zu lesen, im höchsten Respekt gegenüber der Familie und Warmbier selbst. Möge er knapp aber die Worte gewählt sein und nicht wie es die Süddeutsche Zeitung auch noch versucht US Präsident Trump als Helden darzustellen. Ich zitiere aus dem Artikel vom 20.06.2017 „Der Fall Otto Warmbier könnte den wackelnden Trump stärken“

„Doch der Fall Warmbier könnte zur Heldengeschichte für den angeschlagenen Präsidenten werden. Trotz des bitteren Endes – vielleicht sogar gerade deswegen.“ Und das aufgrund ein par gewähltere Worte statt, als wie es die Zeitung selbst schreibt ,“Krawall-Rhetorik“ zu verwenden. Er ist Tod. Ein Held wie Batman hätte ihn schnellstmöglich gerettet. Nur hat Trump nicht die Intelligenz und die Figur für den Anzug.

Ich hoffe inständig, darin eine versteckte Persiflage zu interpretieren. Oder verrenne ich mich jetzt an dieser Stelle sogar und verstehe etwas absolut falsch, dass ich nicht ausschließen kann? Dann möge man über mich lachen. 

Und wie wäre es mit einem Diskurs über Otto Warmbier selbst. Eine prägnante Zusammenfassung von ihm als Person. Wer war er genau? Was hat ihn interessiert? Er sei ein Musterstudent gewesen. Was war an ihm so musterhaft? Wie war seine Aura und was sagen Freunde über ihn? Welche Musik hörte er? Was waren seine Visionen als Student? Ich verstehe die Magazine, sie unterliegen dem Konkurrenzdruck, den Statistiken, den noch reißerischen Schlagzeilen, die wie Huren auf der Straße durch Suchmaschinenoptimierungen gepeitscht werden um die Gunst des Lesers zu erflehen, um ein par kümmerliche Taler zu verdienen statt die Gedanken und Informationen einfach reifen zu lassen.

Es ist der Neid, der aus mir heraus spricht kein Online Redakteur geworden zu sein, der Neid der mich kein Journalismus studieren ließ, der Neid gegenüber erfolgreichen Autoren, der Neid gegenüber denjenigen die in ihrem Leben glücklich und erfolgreich sind in dem was sie tun, doch die heutigen technischen Möglichkeiten mir Trost verleihen das Leben doch irgendwann so zu Formen wie ich es mir vorstelle zugleich froh bin über meine schriftstellerische Freiheit es so zu formulieren wie ich es will ganz ohne Einschränkungen, allein auf der Jagd nach den richtigen Worten in den Zwischenzeilen. Zwischen den Schatten der Buchstaben die auf meiner Tastatur wie kleine Gebäude einer Kleinstadt wirken, auf ihren Straßen sich ein wenig Straßenstaub und Dreck des Alltags finden lässt bis der nächste Regen ihn wieder herunterspült.

„Schei.., wieder so spät geworden. Der Vormittag wieder weg wollte ich ihn für mein Buchprojekt verwenden, aber so ist es mit den Gedanken die nie still stehen.“

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