Verletzte Worte, Digitalkapitalisten, und ein bisschen Geschichte

„Dies ist ein Anschlag auf die Demokratie!“, schreit das Kind, dass tief in den Brunnen gefallen ist und sich nicht zu helfen weiß. Verbittert und verzweifelt nach Worten gerungen hat Martin Schulz seine Worte schneller aus dem Mund gelassen als sein scharfer Verstand sie noch hätte einfangen können. Doch schaue ich zurück auf die glorreichen Leistungen der SPD, so erinnere ich mich noch gut daran, dass ich während meiner letzten drei Schuljahre eine Unterschrift leisten musste, um mich dafür auszusprechen, dass wir während des Zentralabiturs ein Dictionary verwenden dürfen so wie es Schüler vom Gymnasium oder der Gesamtschule ebenso verwenden durften, wir jedoch aus Sicht der SPD in NRW unter der Führung von Hannelore Kraft ein angeblich , ich zitiere, „leichteres Abitur“ absolvieren würden jedoch dem Zentralabitur unterlagen. Ja liebe SPD diese widersprüchliche Leistung hab ihr vollbracht. Kaum sind ein par Jahre vergangen als ich mich in der Hotellerie verheizen ließ wird das Abitur um ein Jahr verkürzt. Ja auch das ward IHR. Während der Schulzeit wird man getrimmt auf Leistung. Man lernt fleißig Spanisch und Englisch um sich gegenüber der stärker globalisierenden Welt da draußen zu rüsten. Wettkampfgedanken, Konkurrenzdruck, Punkte jagen was das Zeug hält. Hauptsache man verkracht sich im letzten Jahr. Man verscherzt es sich mit Freunden und Freundinnen nur um an jenen Numerus Clausus, (wer auch immer dieser Clausus sein mag, wenn ich dich finde, zerfetze ich dich in der Luft), zu gelangen um am Ende festzustellen, dass wir vor einer Wand stehen die es gilt alleine empor zu klettern. Wer Pech hat liegt sogar vor der Wand, fällt herunter oder schafft es erst gar nicht tritt zu fassen. Und dann steht man da vor diesem Scherbenhaufen an Lebensläufen, abgebrochenen Semestern der Fachidioten für Ökonomie und Managementhonks, angefangenen Ausbildungen, Fortbildungskursen und Zertifikaten, die so viel Wert sind wie das Stück Klopapier, dass ich an meinem Hintern abwische und dem dunklen stinkenden Rohr der Heuchler entgegenwerfe. Was ist mit diesen ganzen verkackten BWL Ärschen eigentlich los. Der typische Spruch, der mir am Anfang, als ich so dumm war und mich für dieses Fach entschied, stets betont ausgesprochen wurde war: „Es kommt drauf an..“ – Was? Wie bitte? Geht`s noch?

Schaut zum Flughafen Berlin, zur Philharmonie Hamburgs oder ganz einfach den Bankrotten Staaten der Welt oder der neuliche Schwund von Milliarden von Steuergeldern. Einfach so. Rückblick Klasse elf: Wie war das noch mit dem Sinn der doppelten Buchführung? Niemand hat es verstanden, aber einfach soll sein! Und jetzt sind Banken pleite, Air Berlins Schulden wachsen und keiner soll es bemerkt haben. Wenn ich mir einen Porsche auf Pump kaufe, weiß ich dass ich die nächsten Jahre Hunger leiden werde also tue ich das gottverdammt noch mal nicht. Dies scheinen aber Großkonzerne lieber andere Bäuche spüren zu lassen. Ich frage daher an jeden Arbeitgeber da draußen; ist das FAIR? Ich weiß, was jetzt wieder kommt: „Der Moralapostel und die Ethikstunde, die so schrecklich langweilig war, die Stunde die man absitzen und in der man leicht erhaschte Punkte im Semester erzielen konnte, doch niemand verstand den Sinn und Zweck der Veranstaltung als verkopftes Kind zu reifen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche den Spruch: „Innerlich noch ruhig ein Kind sein zu dürfen“ zu wörtlich genommen haben.

Ich will nicht über unser Bildungssystem klagen während die Ägypterin neben mir die Grammatik aus ihrem Integrationskurs besser erklären kann als der Deutschlehrer vor mir, der sich mit Hilfe seines Lösungsheft von Reclam über die Physiker sich einen vor der Tafel zu Recht stammelt, selbst nicht schlauer ist als wie seine lernwilligen Mediensklaven der Neuzeit. Wo ist der Gedanke der Langweile, der langsameren Welt, einer entspannten Welt als er für 100 deutsche Mark, wie es mir einst mein Vater erzählte zwei Büroräume mieten konnte. Sicherlich kann ich mir keine Büroräume leisten und mich nicht mehr einfach ad hoc selbstständig machen, vielleicht aber auch doch. Wir haben neue Mittel, die Mittel des Internets, nur wie lange haben wir die Möglichkeit gebührenfrei zu bloggen? Wer etwas davon versteht, investiert in den Blog, kennt sich mit den technischen Gegebenheiten aus, um seinen Blog zu positionieren. Ich dagegen finde die Zeit nicht dazu, schreibe viel zu gerne lieber vor mich hin, kotze mich ein wenig aus und lasse die Zeit wie einen stillen Fluss an mir vorüber ziehen, sehe die Buchstaben Zeile für Zeile auf dem Display erscheinen, genieße den Anblick eines fertigen Textes wie der Bergsteiger die Aussicht des Mount Everest. Zugegeben, es sind noch Hügel, ein Mount Everest ist dann schon eher ein Bestseller. Es wird nicht lange dauern bis das Zeitalter der Internetkapitalisten anbricht. Die Zeit der Internetkapitalisten die für einen Blog nicht fünfundzwanzig Euro den Monat nehmen sondern zweihundertundneunzig. Dann wenn das Internet zu einem Status Symbol wird. Die Schichten sich auch online voneinander trennen werden. Die Diskussionen gehen bereits los. Es wird debattiert und händeringend nach IT Experten gefahndet. Sicher eins steht fest. Erst die Kinder in den Schulen auf heißen Stühlen unter Leistungsdruck fordern bis sie gegrillt mit Bauchschmerzen keine Lust mehr haben und hinter her über Fachkräftemangel klagen. Sicherlich die Kehrseite manches Elternteil die Kinder verweichlichen lässt, ich mich selbst als „Bequemling“ bezeichne. Und andere wiederum selbst im Abitur das betonte lesen verlernt haben. Was hat man aus uns gemacht? Wo sind hin die guten Praktiker und feinen geschliffenen Theoretiker? Wo sind sie hin? Ich für meinen Teil schreibe so viel und so oft ich kann in der Hoffnung gelesen und richtig verstanden zu werden.

„Dies ist ein Anschlag auf die Versammlungsfreiheit!“, schreit ein anderes als sei die Formulierung „Anschlag“ salonfähig, doch viel zu viele wissen was es wirklich heißt wenn ein Kind mit Glassplittern blutend im Gesicht im Brunnen nach seiner Mutter fleht, der Anblick im täglichen Fernsehen uns lieber erspart bleibt, die Aufmerksamkeit von dannen geht, es noch früher wie ein Weltwunder war als die Generation meiner Eltern den ersten Fernseher erblickten, man in Rudeln vor dem Kasten saß und drei Programme genoss und heute höre ich übertönt den lauten Kasten meiner Nachbarin unter mir, dass ich bereits weiß im selben Alter hoffentlich noch immer schreiben werde. Und ja ich schaue gerne Filme, ich liebe sie über alles. Sie sind mein Elixier der Inspiration, weil ich es liebe wie Figuren einer Story zum Leben erweckt werden mich zugleich mahne sorgsam mit meinen Worten umzugehen, gewählt und bedacht genug. Ich will sie schützen so wie sie mich und andere im Zweifelsfall schützen können. Sie sind noch wie kleine Kinder, ungezähmt und wild sprudeln sie noch aus mir heraus. Ja sie sind erst sieben Jahre alt. So lange wie ich bewusst gerne schreibe.

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