Von der Kippe gesprungen…

Es liegt nun eine Woche zurück als meine Mutter als Notfallpatientin ins Krankenhaus kam, sich die Welt für mich und meine Familie für einige Tage stark veränderte. Ich verlange an der Stelle keine aufmunternden Worte, an denen mir und meiner Mutter alles gute gewünscht wird. So dient der Artikel der Verarbeitung, des Überdenkens, die zum Glück gut überstandene Dramatik in seiner Schwere rekapituliert in eine Art Balance Akt zu verschieben und nachzuvollziehen? Ein Gleichgewicht zu schaffen, des erlebten mit anderen zu teilen, im Wissen darüber, dass es inzwischen zum Alltag der Ärzte gehört. Es sei ein Routineeingriff in letzter Stunde gewesen. Wenige Stunden später hätte sie tot sein können. Darmverschluss, ein Routineeingriff für die Ärzte? Zu Routine gehören für mich der Gang zur Toilette, das Essen machen, die Wohnung saugen oder inzwischen zu schreiben, aber die Leistung der heutigen bereits möglichen Medizin entziehen sich manchmal meinem Verständnis? – Nein eher erinnert es mich manchmal an Wunder, was wir bereits können. Genau eine Woche später läuft sie herum, als sei nichts gewesen. Ich bin dankbar für die Medizin, den Menschen, die meiner Mutter durch ihr Geschick, ihr Wissen, ihre Praxiserfahrung selbst mitten in der Nacht eine Höchstleistung abliefern und sie gesund zurück ins Leben geholt haben. Wie oft hätte ich den Ärzten, die meine Eltern bereits operiert haben, meinen persönlichen Dank ausgesprochen, mich vor ihnen verbeugt und mit voller Demut und einer herzlichen Umarmung ein Danke in ihr Ohr geflüstert. Leider ist das nicht immer möglich. So ist dieser Artikel an alle Ärzte, die jeden Tag Menschenleben retten, sich ihrer annehmen und selbst dann helfen, wenn sie mit ihrer Tochter ihren sechsjährigen Geburtstag gefeiert hätten, lieber auf dem Motorrad die Baumallee zwischen den hügeligen Feldern bei Sonnenuntergang gefahren wären, lieber mit ihrer frisch verheirateten Frau ein romantisches Candle Light Dinner eingenommen hätten, lieber in den Urlaub geflogen wären und doch in die Notaufnahme fahren um einem X-beliebigen Menschen zu helfen. Dafür sage ich Danke!

Jedoch möchte ich zugleich meinen Undank aussprechen denjenigen gegenüber die das Gesundheitssystem zu einem Wettbewerbsmarkt verändern wollen. Aktionäre, Lobbyisten, Politiker ganz welchen Ranges ihr seid, ganz welchen Ursprungs ihr seid, aber diejenigen unter euch die genau das fordern möchte ich mitteilen, dass ich mich für euch schäme ein Mensch zu sein. Ich bin ehrlich und lege die Zahlen auf den Tisch. Ich weiß nicht, was ein Mediziner verdient, aber ich gönne einem Arzt gerne seine 10000 € den Monat, meinetwegen getragen durch Staatskosten, finanziert von meinen Steuergeldern, gerne bezahle ich für ein funktionierendes intaktes Krankenhaus, dass egal wo auf der Welt auf den aktuellsten Standard gehalten werden muss, gerne aus öffentlicher Hand. Jedoch distanziere ich mich jeglichen notgedrungenen Fehlentscheidungen die aus Geldgründen getroffen wurden und zu unnützen Toten führen, weil auf unserem Planeten irgendeinem Affen die Privatisierung des Gesundheitssystems in den Sinn kam. Vielleicht waren es Menschen wie unser SPD Spitzenäffchen Schulz, deren Fatulenzen sich quer in den Darm schoben und beim Hausarzt trotz gegebenen Bonbons der Rezeptionistin nicht schnell genug an die Reihe kamen. So hoffe ich um ein baldiges Umdenken, besseren Arbeitsbedingungen für Krankenschwestern, Pflegern und Notfallärzten. Es heißt nicht umsonst Humanmedizin. Vom Menschen für den Menschen.

4 thoughts on “Von der Kippe gesprungen…”

    1. Guten Abend Teekay,
      erst einmal heiße ich auch dich Willkommen und danke dir für deinen Kommentar.
      Im Text bezieht es sich ganz klar auf die Humanmedizin. Denken wir weiter bin ich mich sicher, dass es in allen Lebensbereichen so sein sollte. Keinesfalls verlange ich von uns, dass wir alle miteinander stets verbunden gut befreundet durchs Leben gehen. Jedoch halte ich es für Notwendiger denn je gewisse Grundprinzipien zu pflegen, die einst verstaubt im Laufe der Jahre im Keller des Nieveaus liegen gelassen worden sind. Dazu gehört beispielsweise bei der Kassiererin, ein offenes lächelndes Danke Schön zu sagen statt genervt von dannen zu ziehen. Dazu gehört es sich auf der Straße zu grüßen. Morgens mit einem Guten Morgen auf der Arbeit begrüßt zu werden, statt mit, haste ma, kannste ma, machste ma. – Nein, habe ich nicht, kann ich nicht, mache ich nicht, ist dann meistens meine Antwort. Ich bin schon wieder in Rage, wenn ich über uns Menschen nachdenke. Wie gut das der Storyteller ins Leben gerufen wurde. Und jetzt höre ich auf damit – ich wünsche dir weiterhin viel Vergnügen beim Stöbern und Blättern. Mit freundlichen Grüßen – Storyteller Alexander

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  1. Ich bin selbst der Sohn eines Mediziners und auch noch der Schwiegersohn eines weiteren Mediziners. Kein mir bekannter Arzt befürwortet das aktuelle Gesundheitssystem in Deutschland: zu bürokratisch, überall, wo es nötig wäre, wird gespart, überall, wo man gut zusätzlich abrechnen kann (Stichwort: Luxus-Zimmer im Krankenhaus), wird massiv ausgebaut. Kein Wunder, dass das nicht mehr funktioniert. Aber: Die Ärzte als Exekutive sind hier nicht die Schuldigen. Klinikleitungen und Politik sollten am Pranger stehen….

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    1. Guten Abend Solera, zunächst Danke ich dir für deine Offenheit und deine Worte, dass du dir Zeit genommen hast meinen Artikel zu lesen. Ich dagegen muss mich für meine späte Rückmeldung entschuldigen. Auch ich, zwar kein Arzt, bin vom Wochenenddienst betroffen. Ich hoffe genau die richtige Zielgruppe; die Lobby, die Aktionäre, die die das Gesundheissystem versuchen sich nach und nach zu erkaufen anzusprechen. Aber was können wir aktiv gegen diese Form des Missstands unternehmen? Ganz einfach, eine neutrale objektive Bewertung bei google eingeben oder den Hörer in die Hand nehmen und die Krankenhausleitung anrufen und zur Rede stellen? Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten die wir haben. Ich rufe dazu auf. Nutzt Sie! Wir sind die Öffentlichkeit!

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