Ausgegrabene Emotionen

Es ist schon verrückt wie sehr sich manche Lebensumstände auf einen selbst auswirken. Während die letzten beiden Artikel entstanden sind, ging es mir nicht besonders gut; wenn nicht sogar elendig schlecht. Es war am Nachmittag als mich mein Atem verließ. Ich fuhr zu meinen Eltern. Dort angekommen stellte ich die Tasche ab. Mir wurde schwindelig. Ich bekam Kopfschmerzen und mein Magen knurrte obwohl ich ihn zuvor gut gefüllt hatte. Der Schwindel hielt an, als sich mein Bauch wehrte tiefer einatmen zu dürfen. Ich rang öfters nach Luft, spürte keine Schmerzen oder gar Anfälligkeiten, dass etwas nicht stimmen könnte bis wir zur Absicherung doch beschlossen in die Ambulanz zu fahren. Ich kam mir doof vor. Ein bisschen Kopfschmerzen und geringfügige Atemprobleme sollten mich nicht unbedingt gleich zum Arzt bewegen? Oder doch. Die Blutwerte top, das EKG Ergebnis in Ordnung beruhigte sich wieder die Lage bis es erneut wieder anfing. Ja man steht unter Druck, aber das stehen andere ebenso? Ist es die Unzufriedenheit in einem, der nicht wirklich ausfüllende Job, die fehlenden Beziehungen zu denjenigen die etwas verändern wollen, der Mangel an Selbstbewusstsein genug zu sein in dem was man tut obwohl man von sich weiß doch irgendwie mehr zu können, selbst dann wenn es einem just im Moment des Schreibens nicht einmal besonders gut geht und der Kopf anfängt sich heftig gegen die Schreibarbeit zu wehren obwohl ich einfach nicht anders kann? Ist es die dramaturgische Szene, die mich buchstäblich „ausgenockt“ hat, der wahnsinnige Antrieb, der des Daniel Düsentriebs gleichkommend Sätze zu erfinden die tieferen Sinn ergeben und gleichsam für Unterhaltung sorgen sollen? Ich habe da so meine Träume und Zweifel zugleich. Wieder merke ich wie ruhig ich beim Schreiben werde. Unabdingbarer Drang. Werden Sie aufmerksam sein, mich beobachten oder mitlesen? Was erwarten andere von mir? – Mal weg von den ewig zweifelnden Gedanken sah ich in mein kleines Notizbuch und fand eine Erklärung, dass mein Vorhaben nur bestätigte. Warum werde ich dieses Gefühl nicht los mich ausschließlich von Buchstabensalat und Buchstabensuppe ernähren zu wollen, das Gefühl nicht los mich von Konditionalsätzen fesseln und mich zwischen Zeilen zwingen zu lassen? Wie lange ist mein Schülerpraktikum her, als ich damals wusste, dass ich genau das nicht tun wollen würde. Nun es sind bereits neun Jahre als ich etwas tat, dass nicht mir entsprach. Im System gefesselt und von Jahresvertrag zu Jahresvertrag dem zu entkommen scheint nicht möglich zu sein. Vielleicht doch und wenn ja wie komme ich dort hin? Einfach weiterschreiben? Manchmal werde ich das Gefühl nicht los ohnmächtig zu werden. Dieses eine Leben, diese eine Chance dafür zu nutzen und doch dreht sich alles im Uhrzeigersinn weiter wie bisher; wenn es denn nur wieder so wäre wie es einst mal war.  Nun aber wirklich zur ausgegrabenen Emotion. Wie ich es mag soweit auszuholen ohne richtigen Anfang und ohne richtiges Ende. Eher unproduktiv.

Es ist schon etwas her, als ich folgenden Text in einem meiner kleinen Notizbücher wiederfand.

Die Verwechslung

Ich bin falsch verstanden, falsch interpretiert, falsch ausgebildet worden, dass mich die Herausforderung niederdrückt alles auf Anfang zu setzen. Ist es der Anfang vom Ende oder das Ende vom Anfang? Eins sei gewiss seitdem ich das heimische verließ, war nichts schrecklicher als die Zerstörung in sich selbst festzustellen. Die falsche Hoffnung im Innern am rechten Fleck getragen, spiele ich mit der Neuen. Lasse mich mitreißen während das Schiff mich vorbei an begrünten Häusern fährt. Ein weiß rotes Fischerboot zieht an mir vorbei, Worte fehlen, doch das auf und ab der Wellen, das Netz der Bewegungen an der Wasseroberfläche bereitet mir ein wohliges Gefühl der Vertrautheit. Ist die Anziehung zum Wasser des Menschen darin begründet, dass wir selbst zu neunzig Prozent daraus bestehen, oder der Glaube an die Reinheit, das Unschuldige, dass der Mensch selbst so schuldig wie er ist verpestet? Ich sitze also da, vorne in der Nähe des Bugs der Fähre während ich mich in Worten übe, mir deutlich wird wesentlich mehr schreiben zu wollen. Am liebsten würde ich nie mehr aufhören wollen, bis ich sterbe. Der schleichende Stillstand des Antriebs in unserem System der Ausbildung zwingt den Menschen in bereits gescheiterte Existenzen zu investieren. So kann nichts entstehen, gar sich etwas entwickeln. Wir bedürfen des Umdenkens? Ich finde es spannend. Wer wird siegen, ich oder das Gefilde aus Einsamkeit und Unterdrückung oder der lebensfrohe Junge in mir der gerne vor Publikum liest? Der sich trennen möchte, von bisherigen Schicksalsschlägen jedoch nicht kann, da es ihn immer wieder einholt. Warum schreiben so viele, wenn der Volksmund behauptet davon könne man nicht leben? Auch bin ich der Überzeugung, dass dauerhaftes Glück nur unglücklich macht. Genauso die Erfahrungen des Unglücks eines Tages glücklich machen.  Wie viel Anpassung des geschriebenen Wortes war nötig um daran zu verdienen? Feststeht, dass ich bisher null komma null euro mit dem geschriebenen Wort verdient habe. Investiere ich in die Falschen? Ich hoffe mich holen eines Tages lohnende Worte wieder hier heraus.

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