Die Berufswahl

Bevor ich aus der Fantasie heraus ein Hotel entstehen lasse, muss ich euch mitnehmen zurück an einen Punkt, der so ziemlich genau acht Jahre zurückliegt, als ich die wohl leichtfertigste Entscheidung meines Lebens traf. Während der Schulzeit muss ich mir wohl wenig Gedanken gemacht haben – nein ich korrigiere ehrlich gesagt; ich habe mir gar keine Gedanken gemacht über meine Zukunft, dass durchaus als die auffälligste Eigenschaft der Generation Y sein muss oder besser gesagt wie auf einem der Partyflyer: „Jung, naiv und nutzlos“ – was ich eigentlich zukünftig machen möchte. Am liebsten hätte ich studiert. Doch fünfhundert Euro Studiengebühren pro Monat waren für mich beziehungsweise meine Eltern nicht bezahlbar. Zudem schreckten die Gebühren eher ab, als dass Sie mich dazu bewegt hätten ein Studium aufzunehmen. Die Angst bei Abbruch oder gar verfehlen eines Abschlusses vor einem Haufen voller Schulden zu stehen schien mir zu groß. Daher dachte ich über folgende meist gewählten Ausbildungen meines Abschlussjahres nach:

Versicherungskaufmann? –  Die Antwort lag in der Serie „Stromberg“ klar auf der Hand. Das wollte ich schon mal rein absolut nicht.

Bankkaufmann?  Man trägt Verantwortung, bucht Beträge auf Konten hin und her bis die Bilanz genauso wenig stimmt wie im BWL Unterricht bei der dreißig verkopfte Schüler verzweifelt versuchen das richtige Ergebnis zu erschließen bis unser „Stromberg“ vom Dienst an der Tafel das richtige Ergebnis anzeichnet. Hinzu die viel zu aufwendig programmierten Excel Tabellen mit nichts sagenden Zahlen zu füllen, darüber wie man dem Rentnerpaar aus Stock siebzehn ein Dorf weiter die Altersvorsore mit teils riskanten Riester oder Anlagestrategien verzockt werden kann, erschien mir etwas fraglich. Wenn es die Banken nicht permanent in Titeln seriöser Zeitungen schaffen würden -„Ich sage nur „Lemon Brothers“- würde ich mit Sicherheit nicht an deren Seriosität zweifeln. Bei einer Bank lernen? Ich bitte euch. Das würde mir zu weit gehen.

Bankräuber? Ist leider kein Beruf. Dennoch habe ich meist in Actionfilmen bei denen Banken überfallen werden immer mehr das Gefühl, dass mir die Täter leid tun wenn sie geschnappt werden. Warum eigentlich? Das liegt sicherlich an deren schweren Vergangenheit und die geschickt gewählte Perspektive aus der die Geschichte erzählt wird. Nur zu schade, dass wir im Alltag nicht die Perspektive eines anderen einnehmen und das Geld eigenhändig umverteilen statt den falschen zu Vertrauen.

Industriekaufmann? Siehe Bankkaufmann. Dasselbe in Grün. Nur mit mehr Text.

Hotelfachmann? Viele Menschen, abwechslungsreich und es gibt keinen tristen langweiligen Alltag mehr. Der Job hat mit unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu tun. Das klang irgendwie nach mir. Ich erinnere mich noch sehr genau an meinen ersten Tag der „Ausbildung“. Ich stehe mit meiner kleinen Seat Arosa Kugel vor der Schranke, als sie nicht öffnen will. Ich drücke einmal, zweimal auf den Ticket Knopf, der mich im Auto nervöser werden ließ. „Ruftaste“ stand daneben in weißer Aufschrift. „Ticket ziehen“, ertönt eine dunkle Stimme mit südländischem Akzent. Die Kupplung tretend an der leichten Schräge der Einfahrt stand ich da in der Hoffnung, dass kein Auto hinter mir erscheinen würde. Als Fahranfänger sicherlich nicht die angenehmste Situation. „Hallo ich bin Stefan Alexander, der neue Auszubildende. Können Sie mir bitte aufmachen!“ – „Ticket ziehen!“, schreit mich die Stimme an. Zum zweiten Mal. Typisch Parkwächter denke ich mir, als ich erneut die Taste drücke.  „TICKET ZIEHEN“ – Die Antwort erschien grotesk. Jetzt schrie ich zurück. „Machen Sie die verdammte Schranke auf!“. Er tat wie ihm geheißen. „Was für ein Vollidiot!“, fluchte ich im Auto. Das Fenster zur Hälfte herunter gekurbelt, hoffte ich nicht mehr gehört worden zu sein. Umgezogen im Clownskostüm bestehend aus einer schwarzen Hose, einem weißen Hemd, blauer Weste und einer grünen Krawatte, sollte ich an der Rezeption beginnen, als mir die vertraute südländisch akzentuierte Stimme die Hand reichte und sich als meinen zukünftigen Vorgesetzten erweisen würde.

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