Happy Halloween – Der Psychopath

04:30 – Morgens klingelt mich eine Kakophonie, komponiert von Computer Dirigenten der postmodernen Zeitepoche analoger zentner schwerer Ziegelsteintelefone, die wohl bemerkt eine Reihe von Anzugsgenerationen die Taschen ausbeulten, in einer Lautstärke wach, dass ich zwischen Realität und Albtraum wankte. Ich musste um 06:00 Uhr in der Großküche sein und eine Stunde Fahrt aufnehmen. Die Fahrt zwischen morgendlichem Nebeldunst, deren Schlieren sich wie kleine Milchstraßen auf meiner Frontscheibe verteilten, wie Dorffeldern und frühem Wildwechsel, ließ den nachhallenden bettelnden Schrei meines „SmartsizeBettes“ zurückzukommen verstummen während meine lauter werdenden drum and bass sounds die schlafenden Vögel aus den Nestern zwitscherten. Ich ähnelte einem trunkenen Fahrer, der nach einem kurzen Halte stop der Polizei weiterfahren durfte. Ich war so blass, dass ich als „Geisterfahrer“ – oh Gott; schlechter Wortwitz- hätte glatt durchgehen können. So war es nicht die Spur die ich verwechselt hätte, sondern der leichte Slalonfahrstil meiner sich steigenden Laune. Nicht selten fuhr ich nach 14 bis 16  Stunden Schichten am frühen Morgen über dieselben gefrorenen Straßen, im Winter zurück. Nie verunglückt sitze ich zum Glück noch immer aufrichtig am Tisch und schreibe diese Zeilen. Dabei habe ich mir schon oft die Frage gestellt, was Gott in mir, eigentlich von mir will, oder dieses übergeordnete „Dings“, dass über mein Lebenslauf entscheidet. Endlich angekommen, stellte ich mich den Auszubildenen, einem Klientel, dass ich zuletzt gesehen hatte, als wir in den Grundschulen getrennt worden sind, je nach Leistungsgrad in die Schulformen, sehr dumm, dumm, klug, und super hyper clever, dass ich am Rande bemerkt für den größten Wohlstandsverlust der menschlichen Geschichte bezeichnen möchte, also nach Einteilung unseres noch bisher vorhandenen Systems, den „sehr dummen“, wovon einer sehr freundlich und flexibel mir in späteren Jahren noch einmal begegnen würde, mir in der Küche zur Orientierung alles zeigte und aus Zeitdruck zurück zu seinem Posten verschwand und mich an eine kleine schwarzhaarige türkische Frau übergab, die nicht nur sehr schlechtes Deutsch sprach, sondern zugleich so freundlich in ihrer Tonlage zu mir war, wie weiße Cops gegenüber Farbigen in Amerika – ich bekam jeden Tag verbal sinnlos auf „den Mund“, vor. Sie war noch freundlich im Verhältnis gegenüber unserem stellvertretenden Küchenchef, der ohne zu zögern nach einem täglichen „Guten Morgen“ meinerseits mit einem „Halt die Fresse, geh arbeiten!“ konterte. Dabei hatte ich noch nichts gesagt. So wie er sich von der harten Schulter zeigte, so zeigte ich mich um so freundlicher dem wahren Küchenchef gegenüber, dessen kugelrunde Bauchform der Beweis dafür war, dass bei der letzten Weihnachtsfeier der Hase bestens im Pfeffer gelegen haben muss, zugleich sein lang gewordener Bart, sowie seine Haut, die bereits vom Farbton her mit der weißen Kochjacke konkurrierte, sein dabei offen stehender Mund, dessen Speichel an den Mundwinkeln nur noch fehlte, in Kombination mit seiner Hornbrille mich teilweise an einen entflohenen Psychopaten erinnerte, das bereits die – nicht Überstunden – sondern Überjahre – visualisierten. Er sah nicht aus wie ein Psychopat. Er war auch einer. Deshalb weil er jedem Neuling gern einen Schrecken einjagte. Seine türkische Mitarbeiterin instrumentalisiert, die eines Morgens vom Posten verschwand, während ich plötzlich um sechs Uhr morgens allein in der Großküche ohne Licht da stand, schlich er sich von hinten mit einer Taschenlampe und einem Schneidemesser an mich heran, verpatzte sein Schreckensszanario woraufhin sein Lachen mich jedoch mehr erschrak, dass ich panisch zusammen zuckte und flüchtete und den Lichtschalter tätigte und samt den Auszubildenen alle da standen und lauthals lachten.

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