Sisyphos und die Stadtluft

Eigentlich bin ich im Urlaub. Ich hatte mir fest vorgenommen nichts zu tun, auch das Schreiben, so schön es auch ist bleibt es anstrengende kreative Arbeit, aber nur manchmal nämlich genau dann wenn daraus eine Schreibblockade in Form einer Mauer in meinem Kopf erwächst. Doch möchte ich den Eintrag nicht missen wollen. Heute morgen kam sie wieder. Die Sehnsucht nach Tastatur und Stadt.

Ich vermisse die zwitschernden Schwalben am Morgen, die sich bei Sonnenschein und Gartenlaubgerätgebläse kopfüber an Dachpfannen hängen. Sie sind ein eingespieltes Team des städtischen Firmaments in meiner Straße geworden. Sie gehören zu uns, dennoch verpflichtend der Natur und dessen Waldwuchs am Rande des Ortes von Mettmann. Wo sie wohl hin geflogen sind? In den Süden vermutlich, dort wo es weniger kalt und regnerisch sein wird. Unter Ihnen gibt es sicherlich unterschiedliche Parteien und Neigungen, die gerne eine andere Richtung bestimmt hätten, bis sie es doch geschafft haben ihre Route festzulegen. Sicherlich wird der eine oder andere Vogel mit hängendem Kopfgefieder fluchend erneut auf dem gleichen Baumwipfel an der italienischen Riviera nisten müssen. Der Arme. Nur was die Natur von selbst schafft, schaffen wir anscheinend nicht. Wir haben gewählt, die Richtung über die Demokratie bestimmt. Sie heißt: „Aufeinander eingehen, diskutieren abwägen und die Segel setzen und zwar jetzt bald. Neuwahlen? Nein danke. Wir haben unsere Köpfe genug an euren Wahlprogrammen gerieben und hitzig miteinander diskutiert. Jetzt handelt und lasst euch leiten. Fehlentscheidungen passieren eben. Das ist menschlich. Lasst den verdammten Druck raus. Lieber zu einer Einigung kommen als ein Erstarken der rechten Parteien hinnehmen zu müssen. Wer sagt eigentlich das Parteien gewinnen oder verlieren müssen? Sie sollen Realpolitik für die Menschen in unserem Land treiben mit konkreten Lösungsansätzen wie wir unseren all-gemeingültigen Wohlstand ALLER fördern können. Nein es wird nicht besser in dem wir unsere selbst gewählten Politiker Tag und Nacht beschatten, bewerten und ausquetschen. Es sind Menschen wie du und ich und ja mit teilweise einfach viel zu viel Gehalt wie ich raushören musste, dass ein vierundzwanzig jähriger Abgeordneter der FDP satte Zehntausend Euro verdient? Ab einem gewissen Alter mit Familie im Hintergrund bei sehr sehr sehr harter Arbeit mit nachgewiesenem Erfolg eigener Projekte zur Verbesserung der eigenen Kommune würde ich den finanziellen Aspekt weniger kritisch betrachten, jedoch scheint mir das Gehalt in dem Alter für einfach zu viel. Und jetzt die ewigen Gespräche die anscheinend mehr denn je ins träumerische Nimmerland führen. Man verhandelt bis spät in die Nacht. Menschen machen sich selbst krank und die Republik gleich mit. Lasst uns doch einfach mal machen und anfangen bevor wir zu schwächeln beginnen und die eigentliche Route in die Zukunft beginnt!

Ich lief heute zur Erholung durch die Stadt. Ich brauche sie. Die Stadtluft. Hin- und wieder zum abschalten. Dabei fällt mir in der Mayerschen Buchhandlung auf, dass ich viel zu sehr fixiert bin in meiner Denke, meiner Freiheit das zu schreiben worauf ich gerade Lust habe. Ich erinnerte mich wie ich als Kind die Bücherei betrat und mit gleichen Augen jede Etage abging, dabei die Zeit verlor. So ist es heute noch. Was soll ich sagen. Es fühlt sich jedesmal fantastisch an. Genauso wie damals. Ein schwerer Weg, denke ich mir als ich die Bestseller Regale der Belletristik sehe. Als ich im Fach der Literaturwissenschaften, das Buch über tausend Jahre Literatur fand, wurde mir hingegen übel. Die Aufmache erinnerte mich an; in die Jahre gekommenen Stadtbibliotheken. (Übrigens Stadtbibliotheken sind der Plattenbau unter den Büchern. Bücher müssen frei sein und sich selbst präsentieren dürfen! Erst dann entfaltet sich die Magie des Einzelnen und die Begierde danach es aufklappen zu wollen.) Ich denke mir, was soll ich mit Vordenkern? Sie haben sicherlich vieles gesagt, woraus ich meine Lehren ziehen kann, doch sollte ich hingegen alle gängigen Bücher lesen, die für die Literatur wichtig seien, würde ich gar nicht mehr zum Schreiben kommen. Das wäre bald beinahe die real gelebte Sisyphos Tragödie. Die Anlehnungen an Sisyphos und deren metaphorischer Gebrauch der gegenwärtigen Zeit sind zugegeben ziemlich durch. Ich hingegen denke ungerne an die Vergangenheit, wühle und stöber auch nicht in Werken von Mann herum, wenn es mich nicht interessiert. Ich schreibe aus Lust und Interesse an Filmen. Ich betrachte sie als moderne Kunst des Lesens, dabei versuche durchaus die Balance zu halten zwischen Berieselung und Kopf anstrengen.

Ja das Ziel des Buches einer schweren Thematik vor Augen werde ich mit Sicherheit nicht verlieren, genauso wenig die gesammelten Gedanken in meinem Hinterkopf, die ich nicht mehr wie als Kind vorgestellt in Schubladen ablege sondern in einer kleinen schwebenden Kugel, die nur durch einen leichten Fingerabdruck meinerseits freigeschaltet meine Entwürfe an die Wand projiziert, gespeichert habe. Der Raum wechselt. Er ist Top Secret. Ein Ort unauffindbar nur in meinem Geiste verborgen. Zurück zum Text und wenigen Offenbarungen. Ich habe Angst. Nein viele Ängste, die mich hindern das zu tun was ich tun will begründet in einer Psychosomatik die mir schwer fällt doch zugleich einen Einblick gewährt über die verheerenden Folgen, dessen was ich erlebt habe und immer ein Bestandteil meiner Schüchternheit sein wird. Es ist viele Jahre her, als sie mich während des Schreibens und des Vorlesens unterm Tisch geschlagen haben. Ich, mich nicht wehrend und dem Lehrer nicht auffallend, verlor den Lustgewinn, die Neugierde wie das Interesse an unserer Sprache. So sehr, dass ich in Folgejahren mit Lesen und Schreiben negative Gefühle verband. Jetzt bricht es aus. Es ist ungeordnet und unsortiert. Manchmal brökeln Fantasien und andere fließen so still wie der Rhein durch Düsseldorf. Mir kommen modebewusste Damen entgegen. Ich mag den Anblick modebewusster weiblicher Eleganz in Wintermäntel und Schals. Sie wirken darin wie unschuldige Kokons. Wie gerne würde ich sie ansprechen und sagen: „Und was sage ich jetzt?“Ich weiß es eben nicht. Es ist nicht richtig Frauen einfach auf der Straße anzusprechen. Es ist nicht richtig ins Cafe zu gehen und einen auf „Palim, Palim hier bin ich“ zu machen. Es kommt mir lächerlich und falsch vor genauso wie der vorletzte Satz, den ich schrieb doch schlicht und ergreifend der Wahrheit entspricht und doch scheint Letzteres zu funktionieren, wenn ich manches Paar betrachte und mich nicht selten frage, wie er und sie zusammenpassen.

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